Weihnachtsgedicht: "Mamas Weihnachtstraum"

Hell erleuchtet strahlt der Baum, 
doch die Familie sieht ihn kaum. 
Jeder neigt nur den Kopf hinab zum Display 
von Smartphone, Tablet und Stationplay. 
Mama sitzt stumm beim Weihnachtsessen, 
sie ist davon sichtlich angefressen. 

Die Weihnachtsgans ist schon fast kalt, 
aus „wir kommen gleich“ wurde „wir essen bald“! 
Da springt Mama auf und macht die Runde, 
verkündet lauthals der Technik Sperrstunde, 
entzieht Mann und Kindern deren Lebensgrundlagen, 
stattdessen müssen sie sich mit dem Braten plagen. 

Plötzlich erschallt von draußen ein tiefes Ho Ho 
Der Weihnachtsmann kommt, ach was ist Mama froh. 
Aber er bringt der Familie gar komische Geschenke, 
ein Weihnachtsliedheft und Musikinstrumente. 
Doch oh Wunder, schon bald spielen sie Weihnachtslieder 
singen „vom Himmel hoch komm ich“ bis „alle Jahre wieder“. 

Hell erleuchtet strahlt der Baum, 
Mama erwacht aus ihrem Traum, 
sie war bei Tische doch glatt eingenickt 
und ist nun entsetzt, was sie erblickt: 
Die Familie noch immer im Zimmer verteilt 
und in die virtuelle Weihnachtswelt enteilt. 

(Autor: Hans-Bernd Kothe)